Wasserdurchsatz durchs Technikbecken

Planung, Kompartimentierung, Verrohrung und Rückförderung
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Jörg Kokott
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Re: Wasserdurchsatz durchs Technikbecken

Beitragvon Jörg Kokott » Montag 26. Februar 2018, 20:10

Hi,
ich zitiere hier nochmal meine SEA-Z, weil da eigentlich alles erklärt, ist, weshalb und warum und markiere die entsprechenden Punkte fett.
SEA-Z hat geschrieben:Als effektives Durchfluss-Volumen (eDfV) empfiehlt sich im allgemeinen das Zweifache - bis Dreifache des Gesamtnettovolumens (GNV) der zu betreibenden Riffaquarienanlage pro Stunde, um das Technikbecken bzw. die dort installierte Filtertechnik in seiner Leistungsfähigkeit optimal auszulasten. Das entspricht z.B. in etwa dem Wasservolumen, das ein sinnvoll dimensionierter Eiweißabschäumer pro Zeiteinheit ansaugen kann. Ein 1000 L Becken sollte also ein eDfV von mindestens 2000 L/h bis 3000 L/h (L/h = Liter pro Stunde) aufweisen. Einige kommerzielle Aquarien-/Versorgungssysteme arbeiten mit höheren effektiven Durchfluss-Volumina, die entsprechend der Funktionalität der jeweiligen Methode auch angewendet werden müssen.

Wird das effektive Durchfluss-Volumen (eDfV) auf über das Zwei- bis Dreifache des Gesamtnettovolumens pro Stunde erhöht, geht der Differenzbetrag, der nicht von der Filtertechnik angesaugt werden kann, wieder ungefiltert zurück ins Hauptbecken und erzeugt zunächst einmal höhere Neben-/Betriebskosten ohne unmittelbaren filtertechnischen Nutzen.
Allerdings gilt für eine mechanische Filterung, dass die Filterleistung proportional zum eDfV steigt, sofern das gesamte transportierte Wasser durch die mechanische Filterung fliesst und der mechanische Filter ausreichend Kapazität für ein hohes eDfV besitzt. Da diese Art der Wasserfilterung in der Meerwasseraquaristik durch die schnell einsetzende und mit der Zeit zunehmende biologische Filterwirkung des → mechanischen Filtermaterials allgemein kontraproduktiv wirkt, wird dieser Aspekt des eDfV i.d.R. nicht berücksichtigt. Eine Ausnahme bildet der mittlerweile populäre Rollvliessfilter, der nur eine kurze Kontaktzeit zwischen beladenem Filtermaterial und dem Aquarienwasser ermöglicht und somit weitestgehend biologisch unwirksam ist.


Ich sage nicht, dass man nicht auch mit höherem Durchflussvolumen arbeiten kann, ggf. bringt es auch individuell Vorteile, v.a. wenn man eine sehr üppige Gestaltung hat und man verhindern möchte, dass im Becken viel mineralisiert wird (z.B. auch Nitritfikation), und stattdessen das Wasser besser ins Technikbecken bringt. Oder eben zur Verbesserung einer mechanischen Filterung. Dort muss aber eben auch ein Abschäumer bzw. eine Filterkomponente stehen, der/die damit umgehen kann. Leistungsfähige Abschäumer kann man auch mit einem hohen eDfV betreiben, das geht, wenn man dazu auch die Belastung hat. Aber ein gut geplantes Becken kommt mit dem 2-3fachen an EDfV gut zurecht. Wer mehr möchte, kann auch mehr haben.
Gruß,
Jörg

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Re: Wasserdurchsatz durchs Technikbecken

Beitragvon StefanSc » Montag 26. Februar 2018, 20:43

Hallo Jörg,

Danke für Deinen Beitrag. Ich (zumindest für meinen Teil), kann eben aber einfach nicht nachvollziehen, ob der sinnvoll dimensionierte AS sich sämtliches, ihm zugeleitetes Wasser nimmt, es auch tatsächlich und effektiv abschäumt und ich somit alles "richtig" getan habe.
Genau den Abschnitt Deiner Empfehlung habe ich gelesen. Ich habe für mich einfach das Problem, dass der AS in seinem Sumpf steht und auch arbeit, ich aber einfach nicht wirklich weiß, ob und inwiefern er alles Wasser tatsächlich "bearbeitet".
Nachdem ich einen PO4 Anstieg hatte und ich mit dem Drchfluss "gespielt" hatte, habe ich für mich festgestellt, dass der Durchfluß durchs TB in gewisser Weise auch ein Werkzeug zum Einstellen der Nährstoffwerte sein kann. Ich wollte hier gern wissen, ob ich da einen Gedankenfehler habe oder generell was falsch mache. Mag natürlich sein, dass mein TB schlecht funktioniert aber das Umsetzen der Theorie (SEA-Z) in die Praxis ist vielleicht schwerer, als angenommen und insofern kann ich den Durchsatz als Hilfsmittel zum Kompensieren nutzen - dachte ich mir so :?
Gruß
Stefan

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Jörg Kokott
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Re: Wasserdurchsatz durchs Technikbecken

Beitragvon Jörg Kokott » Montag 26. Februar 2018, 20:55

Es ist immer eine Kombination aus Einstellung der Filtertechnik selbst, und dem Wasservolumen, dass die Filtertechnik überhaupt bekommt. Ein Abschäumer kann weniger (trocken) oder mehr Phosphat (feucht) entfernen, und er kann je nach effektiven Durchflussvolumen und Kanalisation mehr vermischtes (sauberes und belastetes) oder vorrangig belastetes Wasser aufnehmen. Je mehr sich das Wasser im Technikbecken mit bereits gefiltertem/abgeschäumten Wasser vermischt, desto eher macht ein höheres Durchflussvolumen sinn, weil sich dadurch das Verhältnis aus ungefiltertem und sauberen Wasser mehr in Richtung ungefiltert verschiebt und dass dann die Abschäuleistung wieder verbessert. Für mich persönlich ist das aber eher ein Mangel an Kanalisation, als eine Frage des erhöhten eDfV... Praktisch ist die Entscheidung für ein höheres eDfV natürlich richtig, aber der Fehler liegt in einer schlechten Kanalisation und eben einer höheren Durchmischung des belasteten Wassers mit bereits abgeschäumten Wasser.
Sowas ist immer in einer solchen Diskussion wichtig zu erörtern. Man kann aus solchen Beobachtungen leicht ableiten, dass ein hohes eDfV Sinn macht, aber man vergisst, dass es eben nur deshalb notwendig ist, weil man bei der Konzeption des Techikbeckens mit einer mangelhaften Kanalisation den eigentlichen Fehler gemacht hat.
Was ich also sagen will ist, dass man sich zu dem Thema nicht nur das eDfV und die verwendete Filtertechnik (und ihren Verschmutzungs- und Verschleissgrad) anschauen muss, sondern eben auch das Technikbecken selbst hinsichtlich seiner Größe, Konzeption und Kompartimentierung, um hier individuell zu schauen, wann welches efDv Sinn macht. Ist aber ein interessanter Punkt, danke daher hier für den Denkanstoß, weil ich die SEA-Z hier zu diesem Stichwort erweitern kann.
Gruß,
Jörg

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Re: Wasserdurchsatz durchs Technikbecken

Beitragvon StefanSc » Montag 26. Februar 2018, 21:10

Genau das was Du schreibst, ist für mich so schwer zu beurteilen in seiner tatsächlichen Funktionalität. Vielleicht weil es mein erstes Meerwasseraquarium ist. Und insofern ist für mich die logische Konsequenz, Fehler oder sagen wir Unzulänglichkeiten bei der Umsetzung in einem gewissen Rahmen mit dem Durchfluß zu kompensieren. Und, wenn die Technik Reserven bietet, mit dem Durchsatz eben akute Situationen zu entschärfen. Es ist ein wenig wie mit dem WW. Der löst auch nicht die Ursache, aber im Moment das Problem. Allerdings habe ich auch gelernt, dass ein zu hoher Durchsatz bei mir fast dazu geführt hat, dass Phosphat kaum noch messbar war. Also auch nicht so ganz ungefährlich.
Gruß
Stefan


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