Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Artemis
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Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Artemis » Donnerstag 30. Januar 2020, 11:33

Hallo liebe Forenmitglieder,
seit über einem halben Jahr läuft mein erstes Meerwasseraquarium, ein Sera 130 l Becken. Schon nach ca. 2 Monaten fingen die Grünalgen an lästig zu werden, sie wuchsen auf den Scheiben und zwar so schnell, dass man mit dem Reinigen kaum nachkam, auch an den Strömungsauslässen wuchsen lange dicke Fäden. Irgendwann begann es auch an der Rückwand zu wuchern. Und mittlerweile sind die Algen auch auf das Gestein übergewechselt. Korallen werden noch nicht belästigt. Auch habe ich seit kurzem Blasenalgen, beim Reinigen ist mir mal eine dieser Blasen geplatzt und seitdem haben sich diese auch verbreitet.

Mein Aquarium ist nicht so dicht mit Korallen besetzt und hat auch keinen starken Fischbesatz. Da bei mir wohl bald ein Umzug ansteht, wollte ich keine zusätzlichen Korallen mehr einbringen.

Phosphat und Nitrat sind bei mir mit Tröpfchentests nie nachweisbar, dabei bin ich der Meinung nicht zu wenig zu füttern. Ich frage mich nun, ob ich irgendwie an einer Nährstofflimitierung kratze - den Korallen scheint es gut zu gehen. Auch habe ich gelesen, dass Scheibenanemonen ein guter Indikator für eine Nährstofflimitierung seien, wenn sie gut stünden, läge wohl keine vor. Meine Discosoma hat erst kürzlich 5 Ableger produziert.

Können Grünalgen bei einer Nährstofflimitierung so wuchern? Oder liegt das eher an einer anderen Problematik und es liegt gar keine Limitierung vor?

Ich benutze das Sangokai Basis System, damit bin ich eingestiegen nach ca. 6 oder 8 Wochen, das Start-System habe ich nie verwendet. Macht es Sinn bei nicht nachweisbarem Phosphat und Nitrat Makronährstoffe aus dem Start-System zu dosieren? Oder ist die Idee sowieso Quatsch?

Langsam bin ich etwas verzweifelt ob dieser nervtötenden Algenplage. Ansonsten würde mir das Becken nämlich richtig viel Spaß machen.

Zum Schluss noch die Wasserwerte:
Temp.: 25 °C
pH: 8,0
KH: 7
Dichte 1,023
Calcium: 420
Magnesium 1300
Nitrat und Phosphat jeweils unter der Nachweisgrenze

Herzliche Grüße,
Julia

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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Gweny » Donnerstag 30. Januar 2020, 18:49

Hi Julia,

bevor ich eine Empfehlung abgebe, wäre es gut ein paar Bilder und einen ausgefüllten Anamnesebogen zum Becken zu haben.
Grüße miri

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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Artemis » Samstag 1. Februar 2020, 17:21

Hallo miri,
leider schaffe ich es nicht den Fragebogen online auszufüllen. Und dafür die 8 Seiten auszudrucken, von Hand auszufüllen und dann einzuscannen, fehlt mir aktuell die Zeit.
Ich versuche es in den nächsten zwei Wochen irgendwo unterzukriegen...

Herzliche Grüße,
Julia

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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Gweny » Samstag 1. Februar 2020, 17:50

Versuche auf jeden Fall den Frassdruck zu erhöhen. Einsiedler, Schnecken, Seeigel etc. Männliche Mithraxkrabben gegen Kugelalgen, zusätzlich manuell entfernen. Und ein Seehase,welchen du bei deinem Händler "ausleihst", bewirken oft Wunder.

Fotos wären vorerst schon hilfreich. Gesamtaufnahme, zusätzlich Detailfotos u.a. von den Korallen etc.
Grüße miri

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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Artemis » Samstag 1. Februar 2020, 18:32

Ja, Fotos werde ich machen, vielleicht schaffe ich es morgen. Die Fadenalgen werden derzeit mit einer Klinge einmal wöchentlich abgeschabt und über einen Außenfilter abgesaugt, damit ich länger arbeiten kann, ohne das Becken leerzusaugen. Die Kugelalgen werden mit einem Werkzeug von den Steinen gekratzt und direkt weggesaugt (ohne Außenfilter), dabei habe ich aber immer nur wenig Zeit, da ich ansonsten ja sehr umfangreiche Wasserwechsel machen müsste.
Meine Einsiedler nehmen so ein bisschen Algen am Gestein auf, gegen den Bewuchs an Scheiben und Rückwand können sie aber natürlich nichts ausrichten. Außerdem mögen sie den Aufwuchs nur solange er noch kurz ist. Schnecken werden leider getötet (möglicherweise von den Einsiedlern, hab die aber noch nie in flagranti erwischt). Die Mithraxkrabbe überlege ich mir, die scheint ja sehr verträglich zu sein. Einen Händler, der mir einen Seehasen ausleihen würde, hab ich jetzt leider nicht greifbar.

Danke jedoch schon mal für die Tipps!

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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Artemis » Montag 3. Februar 2020, 11:20

So, mal sehen, ob ich das mit dem Bogen heute mal hinbekomme.

Also zum Ausfüllen: Mein Leitungswasser habe ich nicht gemessen, das das Haus über eine Entkalkungsanlage läuft, die immer wieder rumspinnt, weswegen die Werte schwanken. Ich weiß nur, Silikat ist am obersten Ende der Messtafel.

Eine Referenzlösung für die Tröpfchentests sowie ein Refraktometer sind schon bestellt.
Seit ich das Aquarium laufen habe, ist IMMER etwas Nitrit nachweisbar, aber NIE Ammonium oder Nitrat. Das finde ich etwas fragwürdig.

Fotos habe ich noch nicht geschafft, gestern war es zu spät und heute ist es noch zu früh, und nachher muss ich zur Arbeit. Vielleicht klappt es morgen.

SANGOKAI_Anamnesebogen_v3_2016.pdf
(437.05 KiB) 15-mal heruntergeladen

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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Artemis » Dienstag 4. Februar 2020, 16:55

So, nun habe ich ein paar Fotos geknipst, das Umgebungslicht war zwar nur mäßig aber na gut. Ich schäme mich ganz schön für das veralgte Becken, aber da muss ich jetzt durch.

Zum einen war heute morgen ein längerer Stromausfall, aber ich habe das Gefühl alle Bewohner haben es schadlos überstanden.

Zum anderen muss ich gestehen, dass ich vor ca. 2,5 Wochen aus Verzweiflung über den Algenwuchs die Dummheit begangen habe Aktivkohle ins Becken zu geben, und auch noch viel zu viel. Ich hatte sie für 48 h drin und meine Korallen haben es mir für eine Woche extrem übel genommen. Bis auf die Kruste ging keine einzige mehr auf und auch jetzt haben sie sich noch nicht völlig erholt, aber zumindest fast.

Die Kruste, die den Aktivkohle-Wahnsinn zunächst überstanden hatte, hat dafür vor einer Woche angefangen nicht bzw. kaum noch aufzugehen. Ich habe eine Glasrose direkt daneben entdeckt (siehe letztes Foto) - kann es sein dass die Glasrose die Kruste so bedrängt, dass die nicht mehr aufgehen mag? Vorher stand die Kruste einwandfrei. Wenn das wahrscheinlich ist, würde ich zusehen, die Glasrose demnächst ins Jenseits zu schicken.

Insgesamt sind vielleicht vier bis fünf kleine Glasrosen im Becken und eine größere, die von meinen 2 kuekenthali immer FAST aufgefressen wird, aber eben nur fast und dann immer Zeit hat sich zu erholen.

So, und jetzt zu den Bildern...

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Mir ist klar, ich habe zu wenig Korallen im Becken habe, aber aufgrund des anstehenden Umzugs wage ich es nicht aufzustocken.
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir ein paar Ideen hättet, wie ich den Algen trotzdem besser Herr werden kann...

Herzliche Grüße,
Julia

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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Gweny » Dienstag 4. Februar 2020, 18:11

Hi Julia,

also erstmal und am aller wichtigsten: "Schämen brauch sich hier niemand!"

Wir hatten alle schon Algenplagen, Cyanos, Bakterienblüte etc. Ganz normal.

Und zweitens, deine Algen oder was auch immer, sind ja halb so wild. Bist du dir sicher, dass es Algen und keine grünen Cyanos sind? Ein Blick unters Mikroskop schafft Gewissheit. Ein brauchbares bekommst du bei Amazon oder ähnliches für nicht viel Geld. Und auch wenn ich meins nur 1x im Jahr rauskrame, bin ich doch jedes mal heilfroh, dass ich es habe. Kannst du den grünen Belag absaugen? Wenn es wirklich Algen sind, erhöhe den Frassdruck. Rede mit einem Händler in deiner Nähe. Nen Seeigel, Mithraxkrabben etc.

Bei den Wassertest solltest du dir etwas hochwertigere zulegen. JBL halte ich was Wassertest angeht, jetzt nicht für das Genaueste.

Beim salz empfehlen wir hier Fauna Marin oder Tropic Marin pro Reef. Beides sehr gute erprobte Salze.

Die beleuchtung würde ich auf 10 Stunden insgesamt setzen und dafür am Morgen und Abend auf die Blauphasen verzichten.

Deine Korallen schauen sehr gut aus und die kruste erholt sich auch bestimmt auch wieder.

Die Pumpe würde ich nach vorne auf die Frontscheibe richten, sofern möglich. Nicht dass dir zuviel Strömung verloren geht.

Dein No3 ist (sofern er korrekt ist) etwas niedrig. Auch das würde für grüne Cyanos sprechen. Aber bitte kontrollier das erst.

Die Glasrosen im Zaum halten, den Besatz aufstocken und ich bin mir sicher, dann wird das schon.
Grüße miri

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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Artemis » Dienstag 4. Februar 2020, 20:23

Hallo miri,
danke für deine Einschätzung. Ich will es nochmal Punkt für Punkt durchgehen.

Also ich meine es sind Algen und keine Cyanos. Cyanos müssten sich wegwedeln lassen, oder? Ich müsste sogar noch irgendwo ein Mikroskop haben, mal schauen. Ich habe rechts hinten die einzige strömungsarme Zone, da wächst ein grüner Belag auf dem Sand. Das habe ich bisher immer für Cyanos gehalten (und beim WW immer abgesaugt). Auf dem Belag am Lebendgestein, bleibt dieser hellgrüne Belag, wenn ich so wie am WE die Algen beim Wasserwechsel abgesaugt habe. Abends sieht man dort auch immer die Luftbläschen, ich denke es sind nachwachsende Kugelalgen.

Ich weiß, dass JBL nicht das Flaggschiff der Wassertests sind, aber ich habe mir überlegt, wenn ich mit Referenzlösung gegenchecke, wüsste ich ja um wieviel ich falsch liege? Ich wollte außerdem jetzt ohnehin mal eine ICP Analyse machen…

Das Salz werde ich noch aufbrauchen und dann wechseln, es ist eben das einzige, das mein Aquariumdealer vorrätig hat und ich wollte ihn eben unterstützen. Ist ein kleiner Laden. Es löst sich jedenfalls schnell, es riecht auch sehr frisch und es hat nicht so hohe KH, Ca und Mg Werte, mein Aquarium verbraucht ja recht wenig davon…

Also du meinst die Pumpe nach vorne richten? Ich hatte mir überlegt, da ja die Auslässe der Förderpumpe links nach vorne zeigen, richte ich die Tunze an der Hinterwand entlang, dann habe ich eine Ringströmung (es ist auch tatsächlich eine, sehe ich bei der Fütterung, wenn ich die Pumpe laufen lasse). Wenn ich die Tunze um 90 °C drehe, behindere ich dann nicht meinen Oberflächenabzug (der direkt hinter der Tunze liegt)?

Seit diese Algen auf das Gestein übergesprungen sind, bin ich nur noch mit Algenbekämpfung beschäftigt. Das ist so mühselig, dass ich mir bezüglich des Umzugs tatsächlich überlegt habe, das Becken nicht mitzunehmen sondern herzugeben. Das bringe ich aber wohl nicht übers Herz, weil ich sehr an meinem Stonogobiops nematodes Paar und ihrem Randalli hänge. Die drei sind einfach die putzigste WG, die man sich vorstellen kann.

Stattdessen habe ich mir überlegt, den Umzug für eine moderate Vergrößerung auf ein Reefer 250 zu nutzen, dann wäre ich die Algen erst einmal los und ich könnte mutmaßlich das neue Becken schon mal starten und müsste nicht an einem Tag alles abbauen und wieder neu aufbauen und somit die Korallen in komplettes Frischwasser setzen. Außerdem könnte ich meine Anfängerfehler ausmerzen (Gestein zu dicht an der Scheibe, sodass eine adäquate Reinigung nicht mehr möglich ist, etc.). Weiters hätten meine Fridmani etwas mehr Platz, gerade der größere ist ein echter Stinkstiefel (weswegen er der einzige Fisch mit Namen im Becken ist – „Fifi“ = Fieser Fisch), da würde es nicht schaden, wenn die anderen Bewohner nicht so dicht auf ihm hocken würden.

Artemis
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Re: Seit Monaten Grünalgen - Nährstofflimitierung?

Beitragvon Artemis » Dienstag 4. Februar 2020, 20:27

Ach ja, Ende der Woche hole ich eine Mithraxkrabbe ab. :-)


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