Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Hier kannst Du Dein Riffbecken in Wort und Bild vorstellen und Deinen Anamnesebogen uploaden. Dann können wir Dich und Dein Riffbecken langfristig begleiten.
Akens
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Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Akens » Sonntag 17. Mai 2020, 15:35

Dieser Beitrag wendet sich an alle, die mit dem Gedanken spielen, in die Meerwasser-Aquaristik einzusteigen. Profis wird er langweilen. Ich stelle hier auch weniger Fragen oder Probleme vor, sondern will von meinen Gedanken und Erfahrungen aus 9 Wochen mit dem START, BASIC und BALANCE System von Sangokai berichten.


Die Planung

Ich bin in den 70ern und 80ern groß geworden und nähere mich neuen Aufgabenstellungen noch gerne mit nicht-Hintergrund-beleuchteter, gebundener Literatur. Vielleicht war das ein erster Fehler, denn es hat mein Projekt nur verzögert. Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass mein Becken wochenlang dunkel und dann wechselnd rot, grün oder gelb vor sich hin modert. Von unserem Gartenteich weiß ich, dass absterbende Algenblüten gleich den Nährstoff für die nächste bilden. Wie auch immer, sicher haben die Bücher verdiente Meereswasser-Aquaristiker geschrieben und ganz sicher war man vor 20 Jahren auch technisch noch nicht so weit wie heute. Jedoch konnte ich aus der Literatur keinen für mich validen Ansatz für mein Vorhaben ableiten.

Der Blick ins Internet verschreckt in der Entscheidungsphase jedoch noch mehr. Allein hier im Blog kann man sich gut 40.000 Beiträge über Probleme von Meerwasserbecken durchlesen - und das Projekt dann beerdigen. Nein, nein, Ihr macht das richtig hier und heute bin ich regelmäßiger Besucher des Forums. Ab und an liest man ja auch, dass ein Becken einige Jahre toll lief, aber dann… Wenn man aber noch kein Aquarium hat, bekommt man hier schnell einen flauen Magen. Ich beschloss, vorerst nicht mehr in die Foren zu gehen. Vielleicht mein zweiter Fehler.

Absolut verstörend ist aber ist die Beratung in den Aquaristik-Shops. Ich komme beruflich in Deutschland viel herum und nutzte in der Planungsphase jede freie Minute, die lokalen Händler in Bayern, Hessen, Niedersachsen und in meiner jetzigen Heimat Berlin/Brandenburg aufzusuchen. Mir wurde dabei unisono klar gemacht, dass man von den Leuten, die sich nur beraten lassen, um sich dann nachher im Internet einzudecken, nichts hielte. Gut, kann ich verstehen, also stellte ich schnell meine Fragen, wurde dann aber trotzdem nicht mehr aus den Läden raus gelassen. In der Shop-Welt scheint ein Krieg ausgebrochen zu sein. Ein Geschimpfe über die Kollegen, die unterschiedlichen Ansätze, und den Markt allgemein. Der eine würde Essig als teures Mittel verkaufen, man selbst hätte vor 30 Jahren die Meerwasser-Aquaristik erfunden. Im Internet stünde nur Unsinn und entweder würde ich das Becken so einfahren, wie der Shop-Inhaber das vorgebe oder werde halt scheitern. Traurige Quintessenz meiner Rundreisen:

Als Anfänger hätte ich alleine gar keine Chance.
Es würde nur klappen, wenn er, der Profi, drei Monate bei uns einziehen würde.
Die meisten geben eh wieder auf und bringen den ganzen Kram dann zum Händler zurück. Schade um die Tiere.

Gut, ich übertreibe, aber irgendwann hatte ich auf diese Einschüchterungen keine Lust mehr. Wer böses denkt, mag da ein System hinter erkennen. Als ich später einmal in einer Korallenfarm stand und Beratung für den Erstbesatz suchte (den ich auch kaufen und mitnehmen wollte!), wurde der Verkäufer pampig, als ich erwähnte, ich arbeite nach Sangokai. „Dann soll doch Herr Kokott sagen, welche Korallen Sie kaufen sollen…“

Und immer dieser mitleidige Blick, wenn ich zum Beispiel sagte, ich hätte gerade LED Lampen gekauft. Ein Blick, der ohne Worte sagt, „der Arme, er wird bald aufgeben müssen, weiss es aber noch nicht.“ Ohne T5er wäre das Licht suboptimal. Aha.

Wenn ich z. B. offenbarte, dass ich ohne Bakterien aus der Flasche oder aus lebenden Steinen starten wollte, stellten mich einige als unverantwortlichen Hasardeur oder gleich als Verräter in die Ecke. Was ist hier los?



Die Theorie

Und schon war man mittendrin in der Meerwasser-Aquaristik. Nichts ist klar, alles ist möglich, oder auch nicht. Das System ist äußerst fehleranfällig und ein Handbuch gibt es nicht. Filtern über Watte, Zeolith, Fliessbett- oder gar nicht. Live-Sand oder Riffkeramik für alles gibt es Beispiele, dass es klappt und dass es nicht klappt. Diskussionen der konträren Protagonisten der Szene gibt es wenig. Fast immer wird es schnell dogmatisch, die jeweils andere Theorie wird verrissen. Uns Anfänger verschreckt das nur. Wir wollen nicht Teil eines Dogmen-Streits werden, sondern suchen schlicht Hilfe. Wir wollen verstehen und lernen, von mir aus auch unterschiedliche Standpunkte. Wie soll das gelingen, wenn sich die Profis derart beharken.


Jüngere Ansätze lassen wenigstens die verschiedenen Theorien nebeneinander stehen und so kam ich auf Sangokai. Erfrischend, dass nicht alles andere gleich schlecht gemacht wird. Jörg versucht zu erklären, warum er etwas so macht und nicht anders. Insbesondere mit den Sangokai Empfehlungen A-Z (SEA-Z) bettet er die verschiedenen Parameter der Meerwasser-Aquaristik wie Strömung, Bodengrund, Abschäumung, etc in ein zusammenhängendes System. Eine Theorie. Immer wenn Funktionszusammenhänge zu komplex werden, versuchen wir diese mit Theorien begreifbar zu machen. Das passiert hier. Letztlich ist das Meerwasseraquarium ein Modell mit hunderten Variablen. Hier einen Parameter zu verändern oder dort ein Mittelchen rein kippen funktioniert in so einem Modell nur bedingt bis gar nicht.

Im Forum wird oft eine Lösung für ein spezielles Problem gesucht. Diese eine Lösung gibt es aber selten. Die Moderatoren werden nicht müde anzumerken, das mini Ökosystem immer als Ganzes zu betrachten und zu kurieren. Die Korallen ausreichend zu ernähren scheint mehr zu helfen, als einen Wasserparameter zu verändern. Zunächst einmal interessant. Ein Auto mit 100 Lenkrädern kann man nicht steuern. Man muss es sich selbst steuern lassen.

Somit bleibt das Ganze zwar nebulös und der Wirkmechanismus eine Blackbox. Aber in diesem Fall hilft uns eine menschliche Eigenart, die fast noch wichtiger ist: das Bauchgefühl. Immer wenn wir etwas nicht umfassen können, lassen wir unseren Bauch entscheiden. Und wenn jemand nur einen „Zaubertrank“ verkauft und nicht noch Steine, Sand, Abschäumer oder Aquarien, dann sollte sein Zaubertrank schon funktionieren. Ansonsten wäre sein Geschäftsmodell zum Scheitern verurteilt.

Klingt wie eine bestellte Werbeveranstaltung für Jörg, ist es aber nicht. Zwischenzeitlich hat mich die Vorbereitungsphase ziemlich geschlaucht und letztlich genervt. Nicht selten wollte ich abbrechen, also gar nicht erst anfangen. Ich brauchte einen Strohhalm, an den ich mich klammern konnte. Einen Weg, der mich Anfänger im Selbststudium zum Erfolg führen kann. Uns so entschied ich, dass ich Sangokai zu 100% umsetzen wolle. In dem Forum wird oft von Problemen berichtet, wenn man verschiedene Ansätze kombiniert. Teils heben sich die Wirkungen sogar gegeneinander auf. Mir blieb ja auch gar nichts anderes übrig. Als Anfänger wäre es vermessen, sich zuzutrauen, dass man über Jahre gewachsene Ansätze gleich weiterentwickeln könnte.

Akens
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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Akens » Sonntag 17. Mai 2020, 15:37

Die Technik

Ich sitze gerade neben meinem immer prächtiger werdenden RedSea Reefer 300XL und bin einfach nur froh, dass ich bisher vor größeren Desastern verschont geblieben bin. Was habe ich falsch gemacht? Eine Menge! Davon später mehr. Was habe ich richtig gemacht? Ich weiß es schlicht nicht. Deswegen kann ich hier nur vorstellen, was ich gekauft und entschieden habe. Die Profis mögen das bewerten und ihren Rat im Anschluss posten.

Das Aquarium, Technikbecken und den passenden Abschäumer wollte ich von einem Komplettanbieter. Mein Bauch sagte mir: RedSea. Tatsächlich überfordert den Anfänger die Zusammenstellung der Komponenten mit ihren unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten. Ansonsten stand über der weiteren Beschaffung das Ziel, dass ich das Aquarium bis zu 7 Tage alleine lassen können muss. An diesem Punkt wollte mich ein Shop-Besitzer einmal nicht mehr weiter bedienen. Ich hätte keine Ahnung, das ginge nicht, ich solle es einfach ganz lassen.

Ganz Unrecht hatte er nicht, ich wollte es trotzdem probieren, denn beruflich bin ich zweitweise eine Woche am Stück unterwegs. Mit dem Profilux 4 samt Doser 2.1 kann ich die wichtigsten Wasserparameter aus der Ferne kontrollieren und, wenn auch in Grenzen, gegensteuern. Den KH-Director brauchte ich erst einmal nicht, solange meine Korallen noch nicht wachsen.

Die restliche Technik kaufte ich streng nach den SEA-Z Empfehlungen und versuchte die Kosten vor meiner Frau zu verheimlichen: Lampen pro Farbkanal steuerbar 2 x Ecotech Marine Radion XR15 G4 Pro mit Diffusor, aus dem Netz steuerbar. Die zwei Tunze Turbelle 6055 und die ReefWave sind ebenfalls aus der Ferne zu bedienen, erstere steuert die Profilux. Insgesamt mischen die das doch kleine Becken richtig durch, wohl eine Grundvoraussetzung nicht nur für den Betrieb mit Sangokai.

Die Duchflusssensoren der Profilux kontrollieren die Rückfördermenge der DC Runner 3.2 (850 l/h) und die Beschickung der UV-Lampe von Eheim (500 l/h). Die UV-Lampe lief bis über den ersten Fischbesatz mit.

Ich messe und dokumentiere so stündlich Temperatur, Ph, Leitfähigkeit und Redox. Warum, wusste ich am Anfang auch nicht. Man findet auch wenig über diese Themen. Klar, für Temperatur und Ph gibt es Referenzwerte, aber ich habe erst mit der Zeit erkannt, dass die Leitfähigkeit Änderungen in der Salinität sauber anzeigt. Als ich einmal vergessen hatte den Ablasschlauch des Abschäumers zu schliessen und dieser zeitgleich überkochte, pumpte die Profilux zu viel Osmosewasser ins Technikbecken. Der Leitwert sank dramatisch schnell, aber ich konnte reagieren und den Abschäumer von unterwegs ausschalten.

Der Redoxwert sagt einem, ob es mit der Wasserqualität im Becken rauf oder runter geht. Am Anfang habe ich viel mit der Strömung gespielt, bis der Redoxwert kontinuierlich stieg. Die BASIC Dosierung haut diesen täglich drastisch nach unten! Jörg?




Riff und Sand


In einem Aquarium-Shop wurde ich einmal vor die Wahl gestellt: Entweder für knapp 1000€ Lebendgestein und Live-Sand zu kaufen, oder ich könne gleich aufgeben. Anders würde es nicht klappen, niemals. Mitleidiger Blick. Ich schaute in das abgedunkelte, modrige Becken der Zombie Steine und entschied für mich, ich starte steril. Mögen sie mich am nächsten Baum aufhängen. Auch das Alptraum verursachende Buch über Parasiten in Meerwasseraquarien kam mir in Erinnerung.

Jetzt nach 9 Wochen Laufzeit kann ich sagen, dass die These von Sangokai aufgegangen ist. Mit zügigem Korallenbesatz bekommt das Becken genügend Startbakterien. Mein Riff ist heute mit den unterschiedlichsten Biobelägen überzogen und den Korallen sowie Fischen geht es prächtig! Bisher hatte ich keine unkontrollierbare Algenblüte oder Parasiteneinfall. Ich dippe alle einkommenden SPS. Ist das für Sangokai eigentlich schädlich?


Das künstliche Riff ist so ein Thema! Aus einem Beitrag von Jörg las ich einmal heraus, dass die Keramik aus Rostock zu empfehlen sei. Leider hatte ich ja entschieden, das Forum vorerst zu meiden, deswegen entging mir, dass dieser Standpunkt inzwischen revidiert wurde. Toll. Genauer betrachtet geht es hier neben der Porösität wohl vorrangig um die effektive Besiedlungsfläche, die bei anderen Anbietern noch geringer ist und die Wasserqualität so stabiler wird. Nun gut, mal sehen, was passiert.

Ich wiederhole hier jetzt nicht die SEA-Z. Bodengrund habe ich in Stärke und Körnung wie vorgegeben eingebracht. Später habe ich sogar wieder einiges wieder rausgeholt. Ich filtere im Fliessbettfilter über Kohle, wie angegeben.





Beckenstart!

Das künstliche Riff wässerte bereits wochenlang im Becken in Osmosewasser, die Lampen waren aus und insgesamt gab mein Meerwasser-Projekt ein tristes Bild ab. Meine Familie belächelte das ganze schon, aber ich wusste nicht, wie ich die zahlreichen Aufgaben in den ersten Tagen des START-Planes mit meinem Terminkalender koordinieren sollte. 4 bis 5 Tage die Woche war ich gerade unterwegs, deswegen verschob ich den Beckenstart Woche um Woche…und hoffte auf ein Wunder.

Und das Wunder kam. Vielleicht aber anders, als wir uns es alle gewünscht haben: Corona. Ich bin selbständig, meine Aufträge brachen schlagartig weg und ich beschloss, meine Zukunftsangst mit der Angst vor dem Scheitern meines Nemo-Projektes zu überlagern. Tag 1. war der 07. März und ab dem 15. März saß ich dann den ganzen Tag neben meinem Becken, maß Wasserwerte, justierte Strömungspumpen und schaute Jörgs Corona-Quarantäne Überbrückungsvideos. Danke dafür! Ich denke, es gibt kein Becken, das während der Startphase jemals mehr Aufmerksamkeit bekommen hat als meins!

Was soll ich sagen, alles lief, wie geplant. Die Dosierpumpen, akkurat justiert, pumpten die nötigen Mengen complete und complex ins Becken, nur die ICP konnte ich nicht wie vorgegeben wegschicken, weil ich Angst hatte, dass die in den Corona-Wirren der ersten Tage des Shut-down in der Post liegenbleibt.

Das Becken wurde rasch und üppig besetzt, wobei ich die Kosten wieder vor meiner Frau verheimlichen musste. Insgesamt ist das Projekt auch weit über dem vorher gesetzten Budget gelandet. Die Tausender rinnen einem bei diesem Technik-Einsatz nur so durch die Finger und größere Korallen kosten auch einiges! Nur, halb oder günstig anzufangen birgt meiner Ansicht nach aber wieder eine höhere Gefahr des Scheiterns.

Aber die Aquaristik ist ein anerkanntes Krankheitsbild. Ein in die Wand eingelassenes 1,10m hohes Diskusbecken mit dahinter liegendem Technikraum, zwei weitere kleine Süsswasser-Aquarien und ein 17.000l Koi-Teich im Garten reichen natürlich nicht. Jedoch, hätte ich die Tragweite von Corona schon im Dezember erkannt, wäre das Nemo-Becken gecancelt worden.

Akens
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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Akens » Sonntag 17. Mai 2020, 15:38

Nun zu meinen Fehlern:




Wasserchemie

Meine größte offene Flanke. Ich bin Kaufmann und habe Chemie und Biologie damals so schnell wie möglich abgewählt - und nie wieder angefasst. In meinem 600l Diskus-Becken kann man mit einem 400l-Wasserwechsel fast alle Fischkrankheiten und alle Wasserwerte auf einmal kurieren. Jetzt saß ich zum x-ten Mal vor dem YouTube Video, in dem Jörg genüsslich über die unterschiedlichen Atömchen der verschiedenen Stickstoff-Zustände referierte - und verzweifelte. Meine Frau, promovierte Mikrobiologin, kam rein und fragte, „Wer ist das denn?“ „Kennst Du nicht.“ „Stimmt aber, was er sagt“, meinte sie und ging. Mein Kopf sank auf die Tastatur.

Ich gebe hier offen und ehrlich zu und hoffe, ich spreche dem ein oder anderem aus der Seele, ich verstehe das alles nicht. Ich messe Nitrat, Nitrit und Phosphat und bin froh, dass diese jetzt recht stabil innerhalb der Referenzen liegen. Wenn die in den n.n.-Bereich rutschen, kaufe ich noch einen Fisch oder füttere mehr. Richtig oder falsch?

Ein gewisses Grundverständnis der Zusammenhänge schadet aber nicht. Vielleicht hätte es mich vor dem größten Gau meiner Startphase bewahrt. Wie erwähnt, wollte ich mein Becken bis zu einer Woche sich selbst überlassen können, was den Einsatz eines Futterautomaten bedingt. JBL, am Beckenrand montiert, zwei Mal täglich gefüttert bei drei Fischen, wobei das meiste Futter im Technikbecken landete. Ein, zwei Tage später ging mein Phosphatwert durch die Decke. Zwei SPS starben langsam, mir war übel. Sofort ins Auto, Fliessbettfilter angeschafft, CleanAnio hatte ich vorsorglich schon da. Und ganz nach Sangokai: mehr Korallen/Verbraucher reingesetzt. Nach zwei Wochen war wieder alles im Lot. Anfängerfehler. Jetzt füttere ich mehr Frostfutter und für die Futterautomaten gibt es so Tauch-Einlasstutzen, die verhindern, dass das Futter auf der Oberfläche gleich ins Technikbecken eingesaugt wird.


Salz

Jörg beantwortet viele Posts im Forum mit dem Hinweis, dass man seine Salinität überprüfen solle. Was ist denn bitte so schwer daran, täglich den Salzgehalt seines Beckens zu überprüfen!? Ich hatte mir natürlich den digitalen Hanna-Tester besorgt und war stolz auf mein vorbildliches Verhalten. Dann fand ich nach einigen Wochen eine Tabelle im Internet, die die Salinität und den Leitwert miteinander in Verbindung bringt. Das Ergebnis passte nicht zu meinen Werten. Ich kaufte mir ein Aräometer und dies zeigte umgerechnet einen Wert von 33,5 psu an. Mir wurde erneut schlecht. Recht rasch fand ich heraus, dass ich vergessen hatte, den Hanna Tester regelmäßig zu kalibrieren. Dies getan, bestätigte er die 33,5 psu. Mein Becken muss wochenlang mit einer falschen Salinität gelaufen sein! Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Technik immer nur genau so gut ist, wie ihr Bediener. Hochmut ist genau so gefährlich, man verliert den Respekt vor diesem höchst anspruchsvollen Model Meerwasser-Aquarium mit seinen hunderten Variablen.


Wasserwechsel


In einem Video beklagte sich Jörg einmal, dass wir Anfänger gerne die SEA-Z an einem Wochenende konsumieren und dann meinten, wir können gleich Wasser ins Becken kippen. Ich habe das Ding mindestens 5 mal durchgelesen und erklärte den Besuchern meines Beckens großmündig, dass ich ein System anwenden würde, das keine Wasserwechsel benötigt. Alles Easy. Der hohe Aluminium-Wert meiner ersten ICP machte mir dann aber doch irgendwie Sorgen. Ich fand im Forum wenig und kramte die mit gelben Klebezetteln und roten Markierungen übersäte SEA-Z wieder aus. Ich muss es überlesen oder verdrängt haben…sogar ein roter Strich war an der Seite. Ein künstliches Riff macht wöchentliche Wasserwechsel nötig! Hab ich nicht gemacht. Jetzt, seit drei Wochen wechsle ich 15% wöchentlich. Aluminium geht nur langsam runter. Vielleicht wird auch noch einiges ausgespült. Es scheint dem Becken aber nicht geschadet zu haben.



Silikat

Noch ein Beispiel von leichtfertiger Technikgläubigkeit war mein Kieselalgen-Befall: Eines Morgens nach einem Wasserwechsel war mein Becken rot! Alles, Riff, Scheiben, Bodengrund. Ich dachte schon, das war es, Flagellaten oder was anderes übles. Alle hatten doch Recht, es fährt an die Wand. Echt mit zittriger Hand ging ich ins Forum und kam durch Zufall auf einen Beitrag, der darauf hinwies, dass man mit der Leitfähigkeit im Osmosewasser nicht den Silikat-Gehalt bestimmen kann. Ich war mir eigentlich sicher, dass mein Osmosewasser mit maximal 5 Microsiemens fast silikatfrei sein müsste. Immerhin lief es nachgeschaltet durch 2 Liter Harz. Die Leitfähigkeit blieb konstant niedrig, also dachte ich, das Harz funktioniert noch.

Aber alles passte zusammen, gestern Wasserwechsel, Harz war eigentlich schon alt, also maß ich mal Silikat im Osmosewasser…wieder so ein Anfängerfehler. Meine Putzercrew zog in das Becken ein und vertilgte die Algen.



Das war es dann aber auch schon mit den Desastern. Ein Bild des Beckens heute morgen poste ich hier gleich. Es macht einfach nur Spass, die aufgeblähten Weichkorallen oder die SPS mit ihrer Polypen-Pracht zu sehen. Jedoch sehe ich schon wieder weisse Stellen an einer SPS,…ja, ich weiß, ich bin noch nicht über den Berg. Viel kann noch passieren, das Becken ist noch zu frisch. Ich bin weit davon entfernt, hier jetzt Ratschläge zu geben. Noch bin ich im Blindflug und froh, dass ich überhaupt noch fliege. Aber dass blutige Anfänger mit Sangokai die Chance haben, einen Meerwasser-Beckenstart im Eigenregie durchzuführen, ist schon toll. Vielen Dank an alle!

Ein Shop-Besitzer hat mir mal gesagt, dass Sangokai Becken später plötzlich umkippen, weil die „Biologie nicht ausreicht“. Ich werde hier berichten, ob er Recht hat.

LG Arnd

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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Akens » Sonntag 17. Mai 2020, 15:39

PS: Und, kann ich mein Becken jetzt eine Woche lang sich selbst überlassen? Für uns reisende Berufstätige ist das ein echt wichtiger Punkt.

Bedingt.

Das BALANCE System wende ich bisher nur ein Mal die Woche an und korrigiere dann den KH Wert so um 0,5 und das Calcium um 20 bis 30 ppm. Sicherlich wird sich das bald ändern.

Ich habe ein 20 Liter Osmosewasser-Fass im Unterschrank und gehe das Risiko ein, dass im Rahmen eines Super-GAUs diese Menge in mein Becken oder das Zimmer gepumpt wird. Der Aquarium-Computer sieht hier noch einige Sicherheitsmechanismen vor, aber, wie oben gesehen, ist es mitunter tückisch mit der Technik… Dann kann ich noch einen 30 Liter Osmose-Tank neben das Becken stellen und über Hausautomation das Fass wieder füllen. Das reicht dicke für eine Woche. Im Technik-Schrank sind zwei Kameras verbaut, so dass ich den Abschäumer, Dosierpumpen, Wasserstand im Technikbecken und im Osmose-Fass kontrollieren kann. Zusammen mit dem Profilux habe ich so eine ganz gute Kontrolle aus der Ferne und kann notfalls nach hause fahren, wenn etwas passiert. Und wenn ich durch Corona mit einem blauen Auge hindurch komme, kommt natürlich der KH und ION Director. Auf Rezept.

Den Rest haben die Nemos erledigt. Meine Frau oder die Kinder füttern jetzt gerne und drehen die Reinigungslippen im Abschäumertopf. Obwohl es für letzteres auch schon technische Lösungen gäbe…

LG Arnd

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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Akens » Sonntag 17. Mai 2020, 16:29

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Akens
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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Akens » Sonntag 17. Mai 2020, 16:32

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Biobeläge...die aber auch regelmäßig von meinen Schnecken abgeräumt werden.

Summer
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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Summer » Sonntag 17. Mai 2020, 17:30

Hallo Arnd,

wow, es hat mir echt Spass gemacht deinen Beitrag zu lesen und in vielem habe ich mich selbst wieder erkannt.

Bei mir ging auch schon so manches daneben, aber wenn früh das Licht wieder angeht denke ich: "I love it!"

Ich wünsche dir immer ein gutes Bauchgefühl!

Grüße Dörte

denny2195
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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon denny2195 » Montag 18. Mai 2020, 09:37

Hallo Arnd, auch mir hat es Spaß gemacht deinen Beitrag zu lesen und habe auch mich in so einigen Sachen die du durch gemacht hast selber wieder erkannt. Auch ich bin Berufsbedingt des öfteren mal 3 Tage nicht da und überlasse das Becken dann sich selber, genauso wie bei dir füttern Frau und Kind die Fische und drehen auch den Abschäumer. Darüber hinaus könnte meine Frau aber maximal auf Anweisung handeln. Ich bin der Meinung das man nicht jeden Tag seine Wasserwerte messen sollte. Man macht sich am Anfang immer verrückt und dies ist vermutlich auch ganz normal am Anfang.

Also Anfänger wird man leicht verunsichert von allen Seiten wie du schon beschrieben hast und versucht halt alles zu tun um sein Becken halt nicht gegen die Wand zu fahren und misst die Wasserwerte wieder und wieder.

Was ich mit meiner Meinung nach geringen Erfahrung sagen kann ist, das die Beckenbiologie halt seine Zeit und auch ruhe braucht, also nicht jeden Tag die Finger ins Wasser und die Strömung neu einstellen oder die Korallen wo anders hin setzen weil vielleicht gefällt es ihr da ja nicht.

Einfach ein mal die Woche die Werte messen außer man will seinen KH und CA verbrauch herausfinden, dann halt jeden Tag oder jeden Zweiten Tag.

Sonst halt einfach den Blick ins Becken genießen und wenn dann etwas nicht stimmt dann sieht man das meistens mit dem täglichen Blick ins Becken.

Gruß Denny

Freysen
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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Freysen » Montag 18. Mai 2020, 12:58

Hallo Arnd,

habe eben auch voller Genuss deinen Beitrag gelesen und bin schon sehr gespannt, wie es bei dir weitergeht :-)!

P.S. Ich selber war auch durch etliche Meinungen in Shops und Foren total verunsichert und wollte vor dem Start alles abbrechen.
Erst durch die SEA-Z wurden mir einige Dinge sehr schnell sehr klar.

P.S.2. Auch bei mir funktioniert alles super mit Sangokai. Die ein oder anderen Problemchen treten auf oder werden sicher auftreten, aber ich bin mir sicher, wir haben uns für das richtige Versorgungssystem entschieden.

Freue mich bereits auf deinen nächsten Beitrag und wie es mit deinem Becken so voran geht :-)

Viele Grüße
Fabian
Gruß
Fabian

Akens
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Re: Beckenstart mit Sangokai - es hat funktioniert!

Beitragvon Akens » Montag 18. Mai 2020, 18:14

Anbei meine ICP von vor zwei Wochen. Aluminium ist sehr hoch...was bedeuten die anderen Ausreißer?
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